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BRAUCHE ICH EIN TESTAMENT?

Wahrscheinlich führt Sie die Diagnose metastasierter Brustkrebs im Laufe Ihrer Behandlung zu der schmerzhaften Frage, wie lange Sie noch zu leben haben und was mit Ihrem persönlichen Besitz nach Ihrem Ableben geschehen soll.

Falls es Ihnen wichtig ist, dass Ihr Vermögen und Ihr persönlicher Besitz an bestimmte Menschen geht, dann wäre ein Testament hilfreich. Gibt es kein Testament, so tritt die gesetzlich verankerte Erbfolge ein. Diese führt zu einer Aufteilung Ihres Vermögens auf Ihre Angehörigen in einer bestimmten Reihenfolge. Ihre Kinder und Ihr Ehepartner*Ihre Ehepartnerin sowie Ihre Enkel*innen und Eltern werden dabei primär bedacht.

Ein Testament stellt sicher, dass Ihr Vermögen und persönlicher Besitz gemäß Ihren Wünschen verteilt werden. Es gibt jedoch in Österreich ein Pflichtteilsrecht, das regelt, dass bestimmte nahe Angehörige trotzdem einen vordefinierten Anteil Ihres Vermögens bekommen. Das bedeutet, dass auch diejenigen Personen, die Sie nicht als Erb*innen ausgesucht haben, etwas bekommen.

Man sollte meinen, ein Testament hat etwas Einfaches zu sein. An sich ist das so, aber wenn Sie viele Menschen in unterschiedlicher Weise bedenken möchten oder Ihren Besitz nach komplizierteren Regelungen aufteilen möchten, sollten Sie sich überlegen, für das Aufsetzen eines Testaments professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, trotz der damit verbundenen Kosten. Anwält*innen und Notar*innen haben zudem die Möglichkeit, Ihr Testament in einem Register elektronisch zu hinterlegen. So können Sie sicher sein, dass Ihr Testament berücksichtigt werden muss.

Falls Sie sich in diesen persönlichen Angelegenheiten niemandem anvertrauen wollen und selbst ein Testament verfassen möchten, sind folgende Punkte von Bedeutung:

  • Schreiben Sie eigenhändig und handschriftlich auf, wen Sie im Fall Ihres Ablebens mit welchen Teilen Ihres Vermögens bedenken wollen. Damit alles ganz klar ist, schreiben Sie auf, dass dies Ihr Testament sein soll.
  • Unterzeichnen Sie das Dokument. Durch die Unterschrift wird es gültig und ist formrichtig.

Wenn es Ihnen lieber ist, das Dokument am Computer zu schreiben, können Sie dies tun. Allerdings benötigen Sie dann Testamentszeug*innen, die mit ihren Unterschriften bestätigen, dass es sich bei dem Dokument um Ihr Testament handelt.

Testament

Auch wenn Sie Ihr Testament selbst verfassen, eine Registrierung ist auf jeden Fall empfehlenswert.

Testament

WAS GESCHIEHT MIT MEINEN DIGITALEN DATEN UND KONTEN NACH MEINEM ABLEBEN?

Oftmals gehen mit dem Tod eines Menschen digitale Daten, insbesondere Zugangsdaten (Benutzerkonten), E-Mail-Adressen und sonstige nur digital verfügbare Informationen, unwiederbringlich verloren. Die Suche nach digitalen Daten kann für Hinterbliebene oft herausfordernd sein. Manchmal kann es auch passieren, dass sich Unternehmen weigern, die digitalen Daten nach dem Tod eines Menschen bereitzustellen. Daher ist es vernünftig, auch den digitalen Nachlass – so schwer das auch für Sie sein mag – zu regeln. Aus diesem Grund bieten einige Unternehmen bereits Unterstützung in diesem Bereich an. Für Ihre Liebsten ist es dadurch einfacher, auf Ihre Daten zuzugreifen und z. B. Benutzerkonten zu löschen, aber auch mögliche Mitgliedschaften und Abos zu beenden.

Was ist ein digitaler Nachlass?

Beim digitalen Nachlass handelt es sich vor allem um Benutzerkonten und persönliche Daten, dienach dem Tod eines Menschen im Internet oder auf Geräten, wie z. B. dem Laptop oder Smartphone, weiterbestehen. Dazu gehören unter anderem:

  • Fotos und Videos im Internet
  • auf einem Gerät abgespeicherte Daten, wie z. B. Dokumente, Fotos und Videos
  • Profile auf sozialen Netzwerken, wie z. B. Facebook oder LinkedIn
  • Online-Banking-Zugang
  • E-Mail-Konten
  • Benutzerkonten bei verschiedenen Online-Diensten, wie z. B. Mediendienste (Spotify, Netflix, Online-Abos von Zeitungen oder Magazinen) oder Online-Händler (Amazon, Zalando)
  • eine eigene Website oder ein eigener Blog

Ihre Erb*innen treten in alle Ihre Rechte, Pflichten und Rechtsverhältnisse ein, das gilt somit auch für Ihre digitalen Daten und im Internet abgeschlossene Verträge.

Die wichtigste Vorsorge für den digitalen Nachlass ist daher die Erstellung einer Liste aller digitalen Daten, die Sie besitzen. Diese Liste sollte auch alle Ihre Online-Konten (inklusive Benutzernamen sowie Passwort der Konten) umfassen. Diese Liste kann entweder alleine oder gemeinsam mit einem Testament bei einem Rechtsanwalt oder Notar hinterlegt werden. Gleichzeitig sollten Sie auch festlegen, an wen sich der digitale Nachlass richtet. Zudem sind Anweisungen an die Hinterbliebenen, wie mit dem digitalen Nachlass umzugehen ist (sollen Daten gelöscht oder erhalten bleiben?, sollen sie an jemanden übertragen werden?), empfehlenswert.

Neben diversen sozialen Netzwerken, die Optionen für den digitalen Nachlass anbieten, gibt es auch einige andere Anbieter, bei denen man einen digitalen Nachlass hinterlegen kann. Wie auch immer man es macht, richtige und vollständige Daten erleichtern Ihren Hinterbliebenen in der schweren Zeit vieles.

Digitaler Nachlass
Digitaler Nachlass

WIE KANN ICH FÜR MEINE KINDER VORSORGEN?

Es ist sehr schwierig, sich Gedanken darüber zu machen, was passiert, wenn man selbst nicht mehr da ist. Besonders im Falle von Kindern ist das sehr schmerzlich. Vielleicht machen Sie sich Sorgen, wie es nun weitergehen soll. Neben dem emotionalen Aspekt der Krankheit und vielen schwierigen Gesprächen mit Familie und Freund*innen kann es sich beruhigend anfühlen, in einer Zeit der Ungewissheit ein Stück Verantwortung über die Zukunft zu übernehmen. So nebensächlich es zum jetzigen Zeitpunkt wirken mag – es ist wichtig, Ihre eigenen finanziellen Entscheidungen zu treffen und für Ihre Kinder, sofern möglich, vorzusorgen.

Wenn Sie über Ihren Besitz verfügen wollen, können Sie entweder durch ein Testament vorsorgen oder Ihren Kindern etwas schenken. Beim Schenken gibt es jedoch wegen des Pflichtteilsrechts einige Dinge, die Sie beachten müssen. 

Wie so oft gilt: Im Zweifelsfall lassen Sie sich von einem Experten*einer Expertin beraten.

Abseits Ihres Vermögens können Sie in dieser Hinsicht leider nur sehr wenig bestimmen. Sie können nämlich nicht für die Zukunft verbindlich festlegen, wer künftig für Ihre Kinder sorgen soll. Normalerweise verbleibt die Obsorge beim anderen Elternteil, gibt es diesen nicht, übernehmen die Großeltern oder Ihre erwachsenen Geschwister diese Aufgabe. Wenn Sie in einer Verfügung andere Wünsche äußern, wer sich künftig um Ihre Kinder kümmern soll, wird dies zwar üblicherweise von Gerichten zumindest positiv zur Kenntnis genommen, jedoch nicht unbedingt berücksichtigt. Es macht aber durchaus Sinn, derartige Dinge in Ihr Testament aufzunehmen, vor allem, wenn Ihre Kinder eine besonders wichtige Bezugsperson haben, die nicht automatisch die Obsorge erhalten wird.

Vorsorge für meine Kinder
Vorsorge für meine Kinder

Referenzen

Wir bedanken uns bei Dr. Gerald Gries, Rechtsanwalt und Experte in Sachen Arbeitsrecht, für die Zusammenstellung der rechtlichen Aspekte.

Zusätzliche Quellen:

Arbeiterkammer Niederösterreich. Digitaler Nachlass. https://noe.arbeiterkammer.at/digitaleserbe, abgerufen im Februar 2022.

ISPA – Internet Service Providers Austria. Digitaler Nachlass. November 2020.

Mehr zur Entstehung dieser Inhalte finden Sie hier.

Referenzen
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